Dommusik Hamburg > Musikkalender > Chorjubiläum 2004
Sonnabend, 20. November 2004, 18:15 Uhr
Zelebrant und Predigt: Erzbischof Dr. Werner Thissen
Joseph Haydn: Paukenmesse "Missa in tempore belli"
Martina Schänzle (Sopran), Christa Bonhoff (Alt), Winfried Adelmann
(Tenor), Christfried Biebrach (Bass)
Mitglieder aus Hamburger Orchestern
Chor der Domkirche St. Marien
Leitung: Eberhard Lauer
Johann Sebastian Bach (1685 - 1750)
Weihnachtsoratorium BWV 248
01 Chor: Jauchzet, frohlocket 7:43
02 Choral: Schaut hin, dort liegt im finstern
Stall 0:55
03 Chor: Ehre sei Gott in der Höhe 3:05
Georg Friedrich Händel (1685 - 1759)
Der Messias
04 Chor: Wahrlich, er trug unsere Qual 1:48
05 Chor: Durch seine Wunden sind wir
geheilet 2:06
06 Chor: Der Herde gleich, vom Hirten
fern 3:43
Joseph Haydn (1732 - 1809)
Die Schöpfung
07 Rezitativ: In vollem Glanze steiget
jetzt 2:45
08 Chor: Die Himmel erzählen die Ehre
Gottes 4:00
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791)
Vesperae solennes de confessore
09 Solo und Chor: Laudate Dominum 5:09
Krönungsmesse
10 Kyrie 3:02
11 Gloria 4:46
Franz Schubert (1797 - 1828)
Messe in As-Dur D 678
12 Credo 10:15
13 Agnus Dei 6:51
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847)
Elias op. 70
14 Chor: Siehe, der Hüter Israels 3:04
Giuseppe Verdi (1813 - 1901)
Messa da Requiem
15 Sanctus 2:38
Johannes Brahms (1833 - 1897)
Ein deutsches Requiem
16 Chor: Wie lieblich sind deine
Wohnungen 5:31
Anton Bruckner (1824 - 1896)
Te Deum
17 Soli und Chor: In te, Domine, speravi 6:31
Die auf dieser CD eingespielten Stücke stammen aus Live-Mitschnitten von oratorischen Konzerten in der Domkirche.
Chor der Domkirche St. Marien
Leitung: Eberhard Lauer
Mitwirkende Orchester:
Hamburger Barockorchester
Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters
Mitglieder des NDR-Sinfonieorchesters
Hamburger Camerata
Aufnahmen: Martin Wiebrecht
Zusammenstellung: Harald Fischer
Diese CD wurde herausgegeben vom Dommusikverein zu Gunsten der Sanierung der Domorgel. Sie kann für 12,- EUR im Pfarrbüro erworben werden.
Wenn ich in unserem Dom das Pontifikalamt feiere und der Chor singt, dann
denke ich während meiner Ansprache manchmal: Der Chor hält die
beste Predigt. Chorgesang ist ja ein wichtiger Beitrag zur Verkündigung
der Frohen Botschaft. Und nicht selten erreicht die Musik leichter die
Herzen der Mitfeiernden als das gesprochene Wort.
In einem Roman von Elie Wiesel heißt es: "Der Gesang ist die
Jakobsleiter, welche die Engel auf Erden vergessen haben." Jakob schaut
im Traum diese Leiter (Gen 28,10 ff), die mit ihrem einen Ende auf der Erde
steht und mit dem anderen Ende bis in den Himmel reicht. Gesang als
Himmelsleiter. Musik als Verbindung zwischen Himmel und Erde. Auf dieser
Leiter sieht Jakob die Engel auf- und niedersteigen. Die Jakobsleiter wie
eine Tonleiter. Die Töne wie Engel, die den steilen Abstand zwischen
Erde und Himmel begehbar machen.
Verbindung von Himmel und Erde - das lässt sich im Gesang erfahren.
Wenn die Töne stimmen, wird der Mensch gestimmt. Seine Stimme und seine
Stimmung haben miteinander zu tun.
Den Ursprung von Musik sieht Hildegard von Bingen, selbst begeisterte Sängerin und Komponistin, im Zueinander der drei göttlichen Personen. Irdische Musik kann ein Zusammenklingen mit dieser himmlischen Harmonie sein.
"Singe und gehe voran", sagt der heilige Augustinus. Das wünsche ich unseren Sängerinnen und Sängern im Domchor, dass ihr Singen sie weiter voranbringe, geistig, geistlich und emotional, und dass wir im Dom auch auf diese Weise immer wieder die Verbindung von Himmel und Erde erfahren.
Dr. Werner Thissen
(Erzbischof von Hamburg)
Die Geburtsstunde des Chores ist Zeichen eines Aufschwungs katholischen
Lebens in der Hafenstadt Hamburg an der Schwelle des 20. Jahrhunderts. Der
Zentrumspolitiker Ludwig Windthorst, einer der mutigsten Gegenspieler
Bismarcks in der Kulturkampfzeit, lockte die kleine, zaghafte
Katholikenschar der Hansestadt aus der Reserve und spornte sie an:
"Groß müßt Ihr bauen!" Und sie bauten gleich eine
zweitürmige Kirche in neoromanischem Stil - die Marienkirche, im
Stadtteil St. Georg eher versteckt, von der Außenalster aber weithin
sichtbar. "Windthorst hatte die Vorstellung von einem neuen Erzbistum
Hamburg und baute gewissermaßen visionäre Türme an den
Horizont." (Renate Krüger).
Die Katholiken Hamburgs nahmen damit zugleich die Herausforderung an
für eine musikalisch reicher gestaltete Liturgie in ihrer neuen
Marienkirche nahe beim Hauptbahnhof. Aus der anfänglich eher
binnenkirchlich bemerkten Mitwirkung bei Gotteslob und Verkündigung ist
der heutige Domchor gewachsen "wie ein Baum, der an Wasserbächen
gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen
Blätter nicht welken" (Psalm 1, 3.). Und der Psalmist bekennt
zukunftsweisend: "Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen." In
Würdigung aller in Vergangenheit und Gegenwart, die dieser Baum
bezeichnet, ist dem Domchor St. Marien weiteres Wachsen zu wünschen,
blütenreich und reich an Früchten zur rechten Zeit, "so
daß die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen
nisten" (Mt 13, 32.). Die Instructio "Musicam sacram" von
1967 sagt es so im Gefolge des 2. Vatikanischen Konzils: Die Kirchenmusik
"bringt die Harmonie jener Welt zum Tönen, die wir im Gottesdienst
schon betreten dürfen; sie läßt den Hymnus des Himmels auf
Erden erklingen." (Nr. 5) Bessere Worte kann ich nicht finden für
unseren Domchor St. Marien als Dank und Glückwunsch zu seinem 100.
Geburtstag.
Georg von Oppenkowski
(Dompfarrer)
Nach den Statuten des Metropolitankapitels im Erzbistum Hamburg obliegt
dem Kapitel in besonderer Weise "die Sorge um die Feier der
Gottesdienste und um die Verkündigung des Wortes Gottes in der
Domkirche St. Marien" (§ 1,1).
Als Vorsteher des Metropolitankapitels war ich seit 1996 also auch
beauftragt mit der Betreuung der Kirchenmusik an der Domkirche. Es war mir
eine Freude, bei den vielen Gelegenheiten mit den Mitgliedern des Chores in
persönlichen Kontakt zu kommen. Ich bekam schnell das Gefühl, dass
es sich hier um eine Gemeinschaft handelt, die - neben den
musikalisch-liturgischen Verpflichtungen - viele Dinge verbindet und in der
ein guter Geist herrscht. Gerne blicke ich auf einige Reisen mit dem Chor
(besonders sei die letzte nach Rom genannt, bei der wir mit unserem Chor am
Feste Peter und Paul bei der Papstmesse auf dem Petersplatz mitwirken
konnten) zurück.
Vor fast zehn Jahren wurde unser Erzbistum errichtet. Als Dr. Ludwig
Averkamp - erster Erzbischof von Hamburg nach St. Ansgar - am 07.01.1995 die
Leitung des Erzbistums übernahm und 1996 die Mitglieder des
Metropolitankapitels in ihr Amt eingeführt wurden, hat auch der Chor
der Marienkirche in angemessener Weise mitgewirkt. Das geschah auch bei der
Einführung unseres neuen Erzbischofs Dr. Werner Thissen am 25.01.2003
und bei vielen weiteren besonderen Gottesdiensten. Zu erwähnen seien
auch die Aufführungen von Oratorien etc. in der Domkirche. Das alles
waere "ex nihilo" nicht so möglich gewesen. Wir haben also
eine schon vorhandene gepflegte Tradition geerbt, und es ist zu
wünschen, dass dieses Erbe der Musik weitergetragen wird und weiter
erklingt.
Kirchenmusik, namentlich die der Chöre, ist eine wichtige Komponente
einer lebendigen Kirche. Sie ist nicht bloßes Dekor der Liturgie,
sondern gerade in ihrer Immaterialität ein Verweis auf das himmlische
Jerusalem, dem wir entgegengehen.
Msgr. Dr. Alois Jansen
(Domprobst)
Im Handbuch der katholischen Kirchenmusik, herausgegeben von Heinrich
Lemacher und Karl Gustav Fellerer (Essen, 1949), schreibt Eigel
Kruttge:
"In Hamburg ergibt sich, entsprechend der Entwicklung der
weitverzweigten katholischen Gemeinde, etwa seit der Jahrhundertwende ein
ziemlich vielfältiges kirchenmusikalisches Leben. Schon vor dem ersten
Weltkrieg war fast in allen Kirchen das Bemühen um chorische
Ausschmückung der Gottesdienste rege; Cäcilientage oder festliche
Anlässe brachten eine Zusammenfassung aller Hamburger
Kirchenchöre. Mit dem Verlust einiger Gotteshäuser im letzten
Krieg wurde, namentlich in den zerstörten Arbeitervierteln wie
Hammerbrook, auch jahrzehntelange kirchenmusikalische Arbeit
vernichtet.
Die Hauptkirche St. Marien hat als Mittelpunkt katholischer Kirchenmusik in
Hamburg zu gelten. Der Chor wurde 1904 mit Knaben- und Männerstimmen
gegründet und sang im ersten Jahrzehnt Messen von Haller und Witt, aber
auch Sätze der klassischen Polyphonie. Der erste Weltkrieg bedingte
eine Umstellung auf Frauenstimmen, die zeitweilig allein das Gotteslob zu
singen hatten. Der danach einsetzende Aufschwung der Chorarbeit an St.
Marien bezieht größere Instrumental-Messen mit ein, wie
Rheinbergers C-Dur-Werk; sogar Bruckners e-Moll-Messe wurde gewagt.
Messen von Griesbacher, Lemacher und Pembaur bezeichnen die Aufnahme neuerer
Musik. Seit 1939 hat Dr. Ludwig Schmitt de Giorgi, Kapellmeister an der
Hamburger Staatsoper, die Leitung des Chores von St. Marien übernommen;
neben Werken des bisherigen Repertoires brachte er an Hochfesten mehrfach
Mozarts Krönungsmesse zur Aufführung, mit vorzüglichen
Solisten der Staatsoper und Orchestermitgliedern der Philharmonie. Bruckners
e-Moll-Messe bedeutet auch in den letzten Jahren seit 1945 die
Höchstleitung des Chores."
Dies ist die einzige verlässliche Kunde von der Gründung und den
ersten Jahrzehnten Chorgeschichte an St. Marien. Nachzutragen wäre der
erste namentlich bekannte Chorleiter, Hubert Postmeyer.
Bemerkenswert ist weiter, dass man beim 50. Weihetage der Kirche 1943, trotz
der ständigen Luftkriegsbedrohung und der Leiden unter Krieg und
Zerstörung auf eine angemessene Feier mit Mozarts Krönungsmesse
nicht verzichtet hat (Prälat Bernhard Wintermann, fast 40 Jahre Pfarrer
an St.Marien, war ein eifriger Förderer des Chores). Dieser Tradition
wurde übrigens beim 100-jährigen Kirchweihfest im Jahre 1993
gehuldigt.
Dr. Schmitt di Giorgi leitete den Chor bis 1959, dem Jahr, in dem Pfarrer
Wolfgang Stratthaus Pfarrer an St. Marien wurde. Als Chorleiter folgten
Kapellmeister Jünemann und Studienrat Ralf Osburg von der St.
Ansgar-Schule. Es war die Zeit der liturgischen Erneuerung des zweiten
Vaticanums, die einen Wandel für die Chöre an katholischen Kirchen
brachte.
Die Neuorientierung mündete in die Errichtung der ersten
Kirchenmusiker-Planstelle in Hamburg, die 1967 mit Julio Miguel Garcia
Llovera, einem spanischen Priester-Musiker, besetzt wurde. Der Chor nahm
einen neuen Aufschwung. Natürlich kam der "spanische
Palestrina", Tomas Ludovico da Vittoria ins Repertoire, der mit seinen
unvergleichlichen Kar-Responsorien bis heute gesungen wird. Aber das
Wesentliche an Lloveras Arbeit war eine ökumenische Erweiterung des
Repertoires: erstmals waren Werke von Schütz, Bach und Händel in
St. Marien zu hören.
Für uns klingt das heute fast unglaublich. Aber bis zum zweiten
Vaticanum war die katholische Kirchenmusik ausgesprochen konfessionsbetont.
Bach war zuvor zwar geachtet, wurde gleichwohl im katholischen Bereich wenig
gesungen. Llovera führte den Chor u.a. mit Konzerten, die zuvor
ebenfalls nicht möglich waren (auch das ist heute fast vergessen), und
Reisen nach Spanien und Polen zu neuer Leistungsfähigkeit. Auch auf
eine angemessene Gestaltung der Liturgien legte Llovera großen Wert.
Immerhin war St. Marien schon vor seiner Ernennung Sitz des Bischofsvikars
für Hamburg und Schleswig-Holstein geworden und die Anforderungen an
die Kirchenmusik waren gestiegen.
1982 begann mein Dienst an St. Marien. Ziel war es, weitere bedeutende
Werke der Kirchenmusik an St. Marien heimisch zu machen und den Chor zu
verjüngen. Dabei sollte der Gedanke der ökumenischen Öffnung
weiter verfolgt werden. Warum sollten die in Hamburg so beliebten Werke des
großen Oratorienrepertoires in St. Marien ungespielt bleiben? Es
wurden außerdem als zusätzliche Gruppen zum Chor der Marienkirche
eine Schola Gregoriana (in Hamburg hatte der Gregorianische Choral wenig
Tradition) und ein Kammerchor (Palestrina-Ensemble) gegründet. Das
Konzept der Arbeit fußte darauf, dass sich anspruchsvolle
Kirchenmusik, die einer Zentralkirche in einer Diaspora-Großstadt
angemessen ist, nur durch einen oratorienfähigen Chor mit
repräsentativem Repertoire verwirklichen lässt. Wesentlich war
dabei die Unterstützung durch die Pfarrer an St. Marien. Nach Wolfgang
Stratthaus folgte 1990 Georg von Oppenkowski, der heutige Dompfarrer. Das
Echo und die Anerkennung für diese Bemühungen blieben nicht
aus.
Der Chor gestaltet heute mehr Gottesdienste als zuvor und die Chorkonzerte
finden zunehmende Resonanz.
Das seit 1982 einstudierte und aufgeführte Repertoire ist in der unten
folgenden Repertoire-Liste in Auszügen
angegeben. Viele dieser Werke waren Erstaufführungen für Chor und
Chorleiter.
St. Marien wurde 1995 Domkirche des Erzbistums Hamburg. Diese Aufwertung der
kirchlichen Bedeutung bedeutete einen nochmaligen Ansporn für die
Chorarbeit.
Angesichts der enger gewordenen finanziellen Möglichkeiten bedarf es
großer Anstrengungen, um das Niveau und die Anzahl der
Aufführungen zu halten.
Zur Funktion von Kirchenmusik in der katholischen Kirche zunächst zwei Zitate.
Josef Kardinal Ratzinger sagte in einem Vortrag vor dem Internationalen
Kirchenmusikkongress 1985:
"Liturgie und Musik sind von Anfang an einander verschwistert gewesen.
Wo der Mensch Gott lobt, reicht das bloße Wort nicht aus. Rede mit
Gott überschreitet die Grenzen menschlichen Sprechens. Sie hat darum
von ihrem Wesen her allerorten die Musik zur Hilfe gerufen, das Singen und
die Stimmen der Schöpfung im Klang der Instrumente. Denn zum Gotteslob
gehört nicht der Mensch allein. Gottesdienst ist einstimmen in das,
wovon alle Dinge reden.
So eng von ihrem Wesen her Liturgie und Musik verbunden sind, so schwierig
ist ihr Verhältnis auch immer gewesen, vor allem in Wendezeiten von
Geschichte und Kultur ... Der Streit um die Kirchenmusik wird symptomatisch
für die tiefere Frage, was Gottesdienst sei."
In einem Interview mit der "Neuen Kirchenzeitung" des Erzbistums
Hamburg vom 16.11.2003 sagte Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider, der
Präses des Allgemeinen Cäcilienverbandes in Deutschland über
unsere Kirchenkonzerte:
"Ich erfahre immer wieder, dass sich Menschen von geistlicher Musik
ansprechen lassen, wenn Tiefes sich erschließt und der Himmel sich
öffnet, wenn Herz und Verstand sich begegnen. Kirchenkonzerte
können eine Sehnsucht wecken. Denn Musik drängt sich nicht auf,
sondern schenkt viele Freiheiten und hat die Kraft, Herzen zu öffnen.
Das zieht viele Menschen an, gerade weil sie oft in Gottesdiensten das
Gegenteil erfahren, sei es, daß sie sich nicht angesprochen
fühlen oder sich unter Druck fühlen.
Geistliche Konzerte sind vielleicht ein Mosaiksteinchen, um sich seiner
Vergangenheit zu vergewissern; sie können darauf verweisen, woher wir
kommen und welche Werte uns jetzt und für die Zukunft wichtig
sind."
Kardinal Ratzinger hat natürlich die Musik in der Liturgie im Auge.
Autonome Musik, wie sie z.B. in Kirchenkonzerten gegeben wird, ist
außerhalb seines Blickfeldes. Unter seine hohe Wertschätzung der
Kirchenmusik mischt sich dann auch gleich ein gewisses Misstrauen
gegenüber der Musik an sich.
Msgr. Bretschneider geht es bei seinen Äußerungen hingegen genau
um diese geistlichen Konzerte, die in den letzten Jahren in der katholischen
Kirche wiederholt zum Streitpunkt hinsichtlich ihrer Legitimation geworden
sind.
Kirchenmusik bewegt sich naturgemäß in einem Spannungsfeld
zwischen Zweckgebundenheit und Autonomie der Kunst. Wir haben auf der einen
Seite die Fokussierung der Kirche auf ihre Liturgie mit den daraus folgenden
Anforderungen und auf der anderen Seite die große Zahl wertvollster
geistlicher Kompositionen, die ein nur außerhalb der Liturgie
pflegbares Erbe darstellen, das von vielen Menschen geschätzt
wird.
Beide Aufgaben sind (zumal an einer Domkirche in einer Großstadt)
wahrzunehmen: Die würdige Feier der Liturgie ist die erste und
vornehmste Aufgabe eines kirchlichen Chores. Das rege Echo auf Gottesdienste
mit anspruchsvoller Kirchenmusik bestätigt dies.
Im zweiten Bereich, dem Chorkonzert / Oratorium, geht es um eine andere Art
von "Gemeinde", die angesprochen werden soll. Dazu gehören
Menschen, die der Kirche distanziert gegenüberstehen und über
Musik noch einen Zugang zu geistlichen Dingen suchen und finden.
In beiden Fällen, Gottesdienst und Konzert, geht es um einen wertvollen
Dienst, der sich immer als theologisch motiviert und inspiriert
erweist.
Was aber in der Diskussion um diese ganzen Zweckfragen zumeist unterschlagen
wird, ist der /die SängerIn. Ein funktionierender Chor ist eine Gruppe,
die sich im kirchlichen Raum sehr regelmäßig und häufig
treffen muss, um musikalische Ergebnisse zu erbringen. Welche Gemeindegruppe
trifft sich so oft zum Arbeiten wie unsere Chöre? Von ihrem Wesen her
verlangt die Musik vom Ausübenden wirkliches Engagement, ja sogar
Hingabe. Chormusik mit Laien ist und bleibt dabei natürlich immer so
etwas wie Breitensport. Kaum eine Aufführung gelingt CD-reif im
handelsüblichen Sinne. Aber gerade in einer Zeit, in der man alles an
Texten, Bildern und Tönen auf Knopfdruck perfekt
"herunterladen" kann, markiert das "Selbermachen" mit
all seinen Mängeln und Problemen eine Alterität, die geradezu zum
Erfolg verurteilt ist. Der/die SängerIn wird in vielen Fällen
für das Proben belohnt. Wer singt, gewinnt geistliche und geistige
Bildung. Außerdem kann Singen Freude machen. Wenn man etwas ausdauernd
übt, wird sich das zu probende Werk auch nicht nachhaltig verschlossen
zeigen, und schließlich kommt es zu einer Kommunikation mit den
Hörern. In diesem Dreieck liegt die Stärke der nicht medial
vermittelten Aufführung von jeder Musik: Vitalität,
Spontaneität, Individualität. Gerade im Bereich der Kirchenmusik
wird man um die Zukunft daher keine Sorge haben müssen.
Eberhard Lauer
Gregorianik
Josquin des Prez: Missa "Pange lingua", Motetten
William Byrd: Missa in f, Motetten
Giovanni Pierluigi da Palestrina: Missae brevis, "Aeterna
Christi munera", "Papae marcelli", "Assumpta est
Maria", Motetten
Orando di Lasso: Missa "Puisque j´ai perdu",
Motetten
Giovanni Gabrieli: Motetten
Claudio Monteverdi: Missa a quattro voci da capella, Motetten
Jan Pieterszoon Sweelinck: Motetten
Hans Leo Haßler: Missae Dixit Maria und Octo vocum,
Motetten
Heinrich Schütz: Magnificat und Psalm-Vertonungen
Georg Friedrich Händel: Messiah
Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium, Magnificat,
Johannes-Passion, Matthäus-Passion, H-moll-Messe, Motetten "Der
Geist hilft", "Jesu meine Freude"
Carl Phillipp Emanuel Bach: Magnificat
Joseph Haydn: Die Schöpfung, Kleine und Große Orgelmesse,
Mariazeller Messe, Paukenmesse, Theresienmesse, Nelsonmesse
Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem, Große Messe in C, Davidde
penitente, Krönungsmesse, Missae brevis KV 194, 220, 259, 279, Vesperae
solennes, Te Deum
Ludwig van Beethoven: Missa solemnis
Franz Schubert: Messen in G, B, As
Felix Mendelssohn Bartholdy: Paulus, Elias, Motetten
Gioachino Rossini: Petite Messe, O salutaris hostia
Franz Liszt: Missa choralis, Motetten
Anton Bruckner: Messen in e und f , Motetten
Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem
Giuseppe Verdi: Requiem, Pater noster
Joseph Rheinberger: Motetten
Antonin Dvorák: Messe in D
Charles Marie Widor: Messe für zwei Orgeln und zwei
Chöre
Louis Vierne: Messe für zwei Orgeln und Chor
Max Reger: Geistliche Gesänge
Hugo Distler: Motetten
Zoltan Kodaly: Laudes Organi, Missa brevis, Pange lingua
Olivier Messiaen: O sacrum convivium
Maurice Duruflé: Requiem, Motetten, Missa "Cum
jubilo"
Igor Stravinsky: Psalmensinfonie, Messe
Ariel Ramirez: Misa criolla
Updated: $Date: 2009/11/22 14:09:52 $